Schon Oscar Wilde stellte fest: „Sich selbst zu lieben, ist der Beginn einer lebenslangen Romanze“. Aber wie läuft das genau mit der Selbstliebe? Und wie stelle ich fest, ob sie in meinem Leben fehlt? In diesem Beitrag gehe ich dem Thema auf den Grund und das Ergebnis ist echt spannend.

Du siehst in den Spiegel und dir fallen sofort deine zu dünnen Haare auf, deine zu große Nase, die lästigen Sommersprossen oder die Kilos zu viel von Weihnachten? Auf einmal schießt dir noch durch den Kopf, dass auch im Job die Sachen nicht rund laufen und die Karrierepläne schon wieder nicht aufgegangen sind.

Und das blöde Geplapper hört im Kopf gar nicht mehr auf, was alles noch doof an dir selbst und deinem Leben ist. Dann fällt es dir wahrscheinlich schwer, dich selbst und dein Leben zu akzeptieren. Und das geht vielen Menschen so. Der Fokus wird auf scheinbare Makel gelegt.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Jedoch führen sie alle zu einem Ergebnis: Wir akzeptieren und lieben uns nicht. Doch was ist Selbstliebe überhaupt genau? Warum kann sie mich glücklich machen und wie unterscheidet sie sich von krankhaftem Narzissmus und übertriebenem Egoismus?

Was ist Selbstliebe?  

Nehmen wir zunächst einmal die Definition zu Selbstliebe und betrachten diese näher:

„Selbstliebe, auch Eigenliebe, bezeichnet die allumfassende Annahme seiner selbst in Form einer uneingeschränkten Liebe zu sich selbst. Der Begriff ist sinnverwandt, jedoch nicht vollständig synonym mit Begriffen wie Selbstannahme, Selbstachtung, Selbstzuwendung, Selbstvertrauen und Selbstwert.“ (Quelle: Wikipedia)

Selbstliebe bedeutet also, dass du dich genauso annimmst und akzeptierst, wie du bist. Du bist dir zwar deiner Schwächen bewusst, aber schätzt dich auch wegen deiner Stärken wert. Denn sowohl deine Stärken als auch deine Schwächen machen dich zu dem unverwechselbaren und einzigartigen Menschen, der du bist und nur du sein kannst.

Also lässt sich demzufolge festhalten, dass du dich selbst liebst, …

… wenn du dich selbst gut behandelst und gut für dich sorgst.

… wenn du liebevoll mit dir und anderen Menschen umgehst.

… wenn du dich und andere Menschen akzeptierst, wie sie sind.

… wenn du deinen eigenen Gefühlen treu bleibst und dir selbst vertraust.

… wenn du Verantwortung übernimmst und Fehler eingestehen kannst.

… wenn du dich und dein Leben nicht vergleichst.

Folglich bedeutet Selbstliebe, dass du dir deiner selbst bewusst bist, deine Stärken und Schwächen erkennst und all dies in seiner Gesamtheit annimmst. Selbstliebe bestimmt daher auch, wie du mit dir selbst und mit anderen Menschen umgehst.

Und das ist auch das wichtigste Kriterium zur Unterscheidung zu Narzissmus und Egoismus, denn bei diesen beiden Eigenschaften spielt ein positives Verhalten gegenüber anderen Menschen keine Rolle.

Die Ursachen für fehlende Selbstliebe

Die Grundsteine dafür, wie wir uns als Erwachsene einschätzen, wahrnehmen, bewerten und selbst behandeln, werden bereits in unserer Kindheit gelegt. Hier wird unser Selbstbild geprägt. Wachsen wir in einem Umfeld auf, in dem der gemeinsame Umgang von Liebe, Respekt und Vertrauen geprägt ist, dann bekommen wir von Kindesbeinen mit, was es bedeutet, geliebt und geschätzt zu werden. Demzufolge wird durch das tägliche Zusammenleben ein positives Selbstbild geschaffen. Und es fällt im Erwachsenenalter leichter, sich selbst zu lieben und zu akzeptieren.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass automatisch die Kindheitserfahrungen ausschlaggebend dafür sind, ob wir zur Selbstliebe in der Lage sind. Denn bestimmte prägende Erlebnisse können selbst bei bester Vorlage aus der Kindheit unsere Fähigkeit zur Selbstliebe brechen. Dazu können traumatische Ereignisse, Mobbing oder schmerzhafte Trennungen zählen.

Selbstliebe sieht man einem Menschen auf dem ersten Blick vielleicht nicht an. Aber ob es dir an Selbstliebe fehlt, das erkennst du an vielen Dingen.

Mögliche Anzeichen für eine mangelnde Liebe zu dir selbst können sein:

  • Du bist ständig mit dir unzufrieden und nörgelst an dir selbst.
  • Du vergleichst dich stets mit anderen Menschen und bist insgeheim eifersüchtig auf sie.
  • Du machst dir ununterbrochen darüber Gedanken, was andere über dich denken könnten.
  • Du hast es schwer, anderen deine Liebe offen zu zeigen und die Liebe anderer anzunehmen.
  • Du nimmst selbst gutgemeinte Kritik und Hinweise sehr persönlich.
  • Du behältst deine Wünsche, Träume und Bedürfnisse lieber für dich, weil sie peinlich sind.

Oft sind es die Kleinigkeiten im Denken, Fühlen und Leben, die verraten, ob wir uns selbst lieben oder nicht. Was aber tun, wenn wir feststellen, dass wir uns selbst nicht lieben?

Heile dein inneres Kind und beginne ein neues Leben

Es war der US-amerikanische Psychologe und Autor John Bradshaw, der den Begriff des „Inneren Kindes“ prägte. Demnach sind alle Erfahrungen, Erinnerungen, Muster und Verhaltensweisen, die wir in unserer Kindheit gesammelt haben, unser „Inneres Kind“. Aber sehen wir uns zum Verständnis einmal die Definition des Begriffs an:

„Das Innere Kind gehört zu einer modellhaften Betrachtungsweise innerer Erlebniswelten. Es bezeichnet und symbolisiert die im Gehirn gespeicherten Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der eigenen Kindheit. Hierzu gehört das ganze Spektrum intensiver Gefühle wie unbändige Freude, abgrundtiefer Schmerz, Glück und Traurigkeit, Intuition und Neugierde, Gefühle von Verlassenheit, Angst oder Wut.” (Quelle: Wikipedia)

Nach den Beobachtungen und Forschungen Bradshaws ist unser inneres Kind oft Potenzial und Begrenzung zugleich. Denn wir speichern gute Erlebnisse, die uns im späteren Leben stärken. Jedoch speichern wir auch schlechte Erfahrungen, die uns im Erwachsenenalter hemmen, blockieren und begrenzen. Dann ist es unsere Aufgabe als Erwachsene, unser inneres Kind zu erkennen, anzunehmen und es von seinen Verletzungen zu heilen.

 Sich lieben lernen – die spannende Reise zu sich selbst

Eigenliebe begleitet uns als Grundgefühl durch unser gesamtes Leben. Und im Unterschied zu anderen Gefühlen, die spontan auftreten, ist die Liebe zu sich selbst erlernbar. Wir können aktiv auf dieses Gefühl Einfluss nehmen und es durch Übung stärken.

Jedoch müssen wir ein wenig Geduld haben, denn Selbstliebe kommt nicht von einem Moment auf den anderen. Wir müssen lernen umzudenken und uns aus einer ganz anderen Perspektive wahrzunehmen. In kleinen Schritten und mit der Zeit lernen wir uns selbst zu akzeptieren. Wir brechen nach und nach mit unseren alten Denkmustern und ersetzen diese durch positive.

Vielleicht ist es anfänglich ein wenig ungewohnt und vielleicht sogar anstrengend. Aber der Weg zu sich selbst und zur eigenen Liebe lohnt sich. Denn Selbstliebe bildet die wesentliche Voraussetzung für Glück, Zufriedenheit, Erfolg und erfüllende Beziehungen.